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“Ein modernes Medienunternehmen kann nicht ohne Video existieren”
Wie der stern mit Videos Abonnenten gewinnt

“Ein modernes Medienunternehmen kann nicht ohne Video existieren”, sagt mein Gast in der neuen Podcast-Episode. Laura-Lena Förster ist stellvertretende Chefredakteurin beim stern und erzählt, wie sie mit Video-Serien Abonnenten gewinnen.
Dass Videos das wahrscheinlich wichtigste Medium unserer Zeit sind, haben Medienmacher schon lange erkannt. Allein im Reuters Digital News Report 2025 taucht das Wort “Video” auf 171 Seiten ganze 247 mal auf. Aber die meisten Verlage tun sich schwer damit, die teuer produzierten Videos zu monetarisieren. Sie bringen Reichweite auf Social Media-Plattformen, aber wenige Abos.
Der stern setzt auf eine andere Strategie: Exklusive Video-Serien wie “Mein Leben als Mutter” erscheinen auf der eigenen Website - hinter der Paywall. Wer sie sehen will, muss ein Abo abschließen. Und das funktioniert gut: Manche Videos bringen hunderte neue Abonnenten.
Im heutigen Newsletter erfahrt ihr, wie der stern die Videos mit kleinem Budget produziert und trotzdem groß rausbringt.
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1. Videos hinter der Paywall
Bei den Paid-Videos setzt der stern vor allem auf emotionale Evergreen-Themen wie Gesundheit, Therapie, Partnerschaft, Sex oder eben Mutterschaft. Laura erklärt das damit, dass diese Videos eine besonders lange Halbwertszeit haben. Einmal produziert, können sie immer wieder ausgespielt werden und generieren noch monate- oder jahrelang neue Abos. Im Gegensatz zu News, die nach kurzer Zeit irrelevant werden, lohnt sich hier also der vergleichsweise hohe Produktionsaufwand pro Video.

Die Videos erscheinen auf der Website und in der App wie Artikel. Nach ein paar Sekunden stoppt die Wiedergabe, und die Paywall erscheint. Umso wichtiger ist es, dass sie in dieser kurzen Zeit mit Titelzeile und Intro die Neugier wecken und Interesse am Abo schaffen. Laura berichtet, dass sie viel Zeit in die optimale Headline und die Auswahl der ersten Videosekunden stecken.

Im Gegensatz zu frei verfügbaren Videos, die sie auch auf der Website haben, messen sie den Erfolg der Paid-Videos nicht an den Abrufen, sondern an Abo-Abschlüssen. Das Ziel ist es nicht, Pre-Rolls zu verkaufen, sondern Abos.
Die Videos werden von Anfang an als Mini-Serien gedacht, und um sie herum entstehen ganze Themenwelten. Das soll dazu führen, dass die Nutzer nicht wegen einem Video kommen und danach sofort wieder kündigen, sondern spüren, dass sie bei stern+ regelmäßig ähnliche Inhalte finden. Die Psychologie-Themen werden neben Videos auch in Artikeln und dem Newsletter “Das Gefühl der Woche” behandelt.

2. Wann lohnt sich ein Video?
Nicht jedes Thema eignet sich für ein Video. Am Anfang muss immer die Frage stehen: In welchem Format kann man diese Geschichte am besten erzählen? Nach Lauras Erfahrung sind das vor allem emotionale Themen, bei denen man die Menschen sehen und einen exklusiven Blick hinter die Kulissen bekommen möchte. Diese Videostrategie passt auch zur DNA des stern, der nah an den Menschen sein möchte.
Besonders wichtig ist ihr, dass die Protagonistinnen selbst zu Wort kommen. In den Mutterschafts-Videos gibt es keine männlichen “Experten”, die erklären, was Mütter alles falsch machen, sondern die Frauen erzählen aus ihrem Leben, ohne dabei von einer Moderation unterbrochen zu werden. Dadurch entsteht eine besondere Nähe und Authentizität.
Die Themen reichen von alltäglichen Erfahrungen, die viele Mütter durchleben, bis zu schweren Schicksalsschlägen. Vom Leben als Alleinerziehende bis zu Müttern, die ihre Kinder verloren haben und trotzdem einen Weg finden, weiterzumachen.
Was übrigens nicht funktioniert hat: Die gleiche Serie über Väter. Das war, so berichtet Laura, ein ziemlicher Flop.
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3. Video kann man nicht nebenbei mitmachen
In früheren Zeiten des Digitaljournalismus gab es eine weit verbreitete Wunschvorstellung: Wenn Redakteurinnen auf Recherchereise sind, haben sie ihr Smartphone dabei, also können sie ja “noch schnell ein paar Videos aufnehmen”.
Diese Vorstellung findet Laura absurd. Video ist kein Nebenprodukt, sondern muss gut vorbereitet und professionell produziert werden. Der stern hat dafür ein eigenes Team aus fünf Spezialistinnen und einer Teamleitung, die aber möglichst sparsam produzieren.
Pro Video nehmen sie sich maximal einen Drehtag vor, plus Recherche, Vorbereitung, Schnitt und Distribution. Damit veröffentlichen sie ein bis zwei neue Videos pro Woche. Trotz dieser relativ schlanken Produktion können sie sich nicht erlauben, einen Flop zu produzieren und Ressourcen zu verschwenden. Schon bei der Themenauswahl versuchen sie Videos zu vermeiden, die keine Abos einbringen.
4. Den Anschluss an junge Generationen behalten
Zum Schluss ging es noch einmal darum, wie junge Menschen Medien konsumieren. Videos spielen dabei eine zentrale Rolle und Laura warnt davor, als klassischer Verlag, den Anschluss zu verlieren. Wer in Zukunft erfolgreich sein will, muss jetzt verstehen, welche Mechaniken in Social-Video-Apps funktionieren und wie man sie für die eigene Produktentwicklung nutzen kann.
Und vor allem muss man verstehen, wie sich die Nutzungsgewohnheiten verändern. Ihr persönlicher Tipp: Immer, wenn junge Kolleginnen in ihrem Team anfangen, verabredet sie sich zum Kaffee und lässt sich zeigen, wie sie Medien konsumieren. Ich glaube, daran können wir uns alle ein Vorbild nehmen.
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Was bisher geschah
Im Podcast findest du Interviews mit den spannendsten Köpfen der Subscription Economy. Von diesen Unternehmen kannst du lernen, wie man Abonnent*innen gewinnt und glücklich hält.



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